„Sonnenblume“ fällt Geldnot zum Opfer

Kita in Weitin muss im Sommer schließen
von Paulina Jasmer für den Nordkurier – Neubrandenburger Zeitung (06.03.2013)

Die Kita-Schließung in Weitin ist ein Schock für Kinder, Eltern und Erzieher. Was soll nun mit ihnen passieren? Eine Mutter will diese Entscheidung jedoch nicht so einfach hinnehmen.

Ulla schaukelt gern und viel. Das ist in Weitin auch nicht schwer. Gleich neben der Kita liegt ein Spielplatz, zwei Schaukeln baumeln dort und warten auf ihren Einsatz. Doch die dreijährige Ulla konnte sich an all das noch gar nicht richtig gewöhnen, denn sie ist erst seit Kurzem in der Kita „Sonnenblume“ – und das auch nicht mehr lange.

Die Diakonie Stargard, der Träger dieser kleinsten und einer der ältesten Kita-Einrichtungen in Neubrandenburg, will die Weitiner Kita schließen – zum 31. Juli, wie Almut Falk, Diakonie-Bereichsleiterin, auf Nordkurier-Nachfrage bestätigt. Die Eltern seien deswegen kürzlich informiert worden.

Auch Johanna Kern, Ullas Mutter, weiß Bescheid. Sie will gerade ihre Tochter abholen, sitzt in der Garderobe der Kita und kann ihre Enttäuschung nicht verbergen. Kleine Winterstiefelchen stehen an den Bänken. In den Fächern der Kinder prangen deren Selbstporträts und darunter ihre Namen. Niklas, Frieder, Lina… Sie alle müssen bald ihre Sachen packen, nicht nur weil Mama oder Papa sie abholen, sondern weil diese Kita keinen Bestand mehr haben wird.

„So lange habe ich nach einem passenden Kindergarten gesucht, über sechs Monate lang, bin dann endlich in Weitin fündig geworden und höre bei meiner ersten Elternversammlung von der Schließung“, sagt die Mutter aus Alt Rehse. Es ist der sozialpädagogische Ansatz, der ihr an der Kita gefällt. Außerdem müsste sie nicht extra ins Stadtzentrum, um ihre Tochter in die Kita zu bringen.

Almut Falk von der Diakonie Stargard bedauert diesen Schritt zur Schließung, wie sie betont. Doch aus finanzieller Sicht sei die Einrichtung nicht mehr tragbar. Drei Teilzeit-Beschäftigte kümmern sich derzeit um die Kleinen. Doch sobald jemand erkrankt oder Urlaub hat, werde es eng. „Es fehlt dann immerhin ein Drittel des Personals“, verdeutlicht sie. Und diese Tatsache sei nur schwer zu kompensieren. Doch mehr Personal einzustellen sei nicht möglich. Durch das Land, den Landkreis und Elternbeiträge, die pro Kind berechnet werden, würden auch die Erzieherstellen finanziert. Doch das habe nicht ausgereicht, zumal die Kita mit derzeit 15 Kindergarten und zwei Krippenkindern nicht ausgelastet sei.

Die Diakonie Stargard habe in der Vergangenheit drauf zahlen müssen. Dem soll nun ein Riegel vorgeschoben werden. Als Träger habe man sich daher Gedanken gemacht, was mit den Kindern passiert: So soll es eine Sonnenblumen-Kinder-Gruppe weiter geben, allerdings im „Regenbogenhaus“ in der Darrenstraße in der Innenstadt. „Da könnten die Kinder zusammenbleiben und werden nicht auseinander gerissen“, so Almut Falk. Das müssten nun aber die Eltern entscheiden. Wenn dann beispielsweise nach dem Sommer, nachdem einige Kita-Kinder in die Schule entlassen worden sind, Plätze frei bleiben, dann werden Kinder, die auf der Warteliste des Regenbogenhauses stehen, in die Sonnenblumen-Gruppe integriert.

Für Johanna Kern kommt das aber nicht in Frage. Die Regenbogen-Kita ist ihr viel zu groß und damit in ihren Augen zu überfüllt. Deswegen trägt sie sich auch meiner Idee, einem „echten Traum“, wie sie sagt: Die Alt Rehserin will einen Verein gründen – „schnellstmöglich“ – und die Kita in ihrem sozialpädagogischen Ansatz am Leben erhalten. Einige Mitstreiter habe sie auch schon gefunden, sagt sie und ist überzeugt, dass kleine, übersichtliche Kitas die Zukunft der Region seien.

Quelle: Nordkurier 06.03.2013

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