Online-Aufruf an den Landtag: Den Bildungsabbau in den Kitas M-V verhindern!

„Würdest Du Deine Herzoperation von einem Augen- oder Tierarzt machen lassen, weil sie doch auch eine ärztliche Ausbildung haben?“

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Nach der Mitgliederversammlung vom letzten Wochenende ruft der Kita-Elternrat Mecklenburgische Seenplatte  (KitaErMSE) dazu auf, den Beschluss zur Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes zu verhindern. In der Reaktion auf den aktuellen und zukünftig steigenden Personalmangel in den Kitas haben die Landesregierung und die sie tragenden SPD und CDU-Fraktionen einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in M-V neu regeln und den Katalog der Personen die in den Kitas als Fachkräfte anerkannt werden ergänzen soll.

Auch wenn der KitaErMSE mit seinen Erfahrungen aus der Praxis der Kitas grundsätzlich die Bemühungen von SPD und CDU begrüßt, fordert er die vorgeschlagenen Änderungen nicht zu beschliessen.

Der KitaErMSE kritisiert, dass viele Punkte der bereits im Sommer 2017 beginnenden Ausbildung bisher immer noch unklar sind und vor allem, dass die Auszubildenden bereits auf den Bildungsschlüssel (Fachkraft-Kind-Verhältnis) angerechnet werden sollen. „Mit der Anrechnung auf den Bildungsschlüssel – selbst wenn es nur anteilig passiert – wird der Schlüssel in den Kitas allein rechnerisch angepasst. Mit der Qualität der Bildung in den Kitas hat das nichts zu tun und es bleibt allein eine politische Show von SPD und CDU.“ erklärt KitaErMSE-Vorsitzender Monty Schädel.
Auszubildende hätten an ihrem Ausbildungsplatz ausgebildet und nicht als anteilige Fachkräfte im Dienst- und Stellenplan eingerechnet zu werden. Auch sei unklar, wer die Auszubildenden in Einrichtungen überhaupt anleiten und wie diese zusätzliche Tätigkeiten in den Kitas eingeplant würden. „Soll das bisher nicht ausreichend vorhandene Personal in den Kitas jetzt auch noch Auszubildenden nebenbei ausbilden?“ Nach Ansicht des KitaErMSE wird das weder den Auszubildenden, noch dem gesetzlichen Bildungsanspruch der Kitas und erst recht nicht den Kindern in den Kitas gerecht. „Besonders fragwürdig wird die Ausbildung dann, wenn der Gesetzentwurf formuliert, dass sich ‚für die Landkreise, die kreisfreien Städte und die Wohnsitzgemeinden sowie für die Kommunen als Träger von Kindertageseinrichtungen (…) keine zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen ergeben‘. – Werden zukünftig dann wieder die Eltern die ‚Wahlkampfwohltaten‘ der Regierungskoalition in ihren Rechnungen präsentiert bekommen?“

Mit der Erweiterung des Fachkräftekataloges „schummelt“ die Landesregierung nach Meinung des KitaErMSE ebenso.
„Auch wenn SPD und CDU sich in der vergangenen Woche noch zu geringfügigen Änderungen entschlossen haben, lässt auch die Änderungen des Fachkräftekataloges nichts Gutes für die Kitas in M-V erwarten. Während noch mit den letzten Änderungen zum KiföG 2010 und 2012 die Bildung und Förderung der Kinder als Ziel der Arbeit in den Kitas manifestiert worden ist, soll sie nun dem rechnerisch passenden Einsatz von Erwachsenen – nicht Fachkräften – im Verhältnis zu den Kindern geopfert werden.“ so Monty Schädel. „Die im bundesweiten Vergleich geradezu beispielhaften bildungspolitischen Ansprüche des KiföG in Mecklenburg-Vorpommern werden durch den jetzt geplanten Einsatz von nicht dafür ausgebildeten Personen als Fachkräfte unterlaufen.“

Zukünftig sollen nach Vorstellung von SPD und CDU auch Pädagoginnen und Pädagogen unterschiedlicher Sparten sowie u.a. Logopäden, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen oder Hebammen und Entbindungspfleger, Physiotherapeuten und Ergotherapeutinnen in den Kitas als Fachkraft Anerkennung finden. Die Elternvertretungen bezweifeln, dass mit dem Einsatz dieser Berufsgruppen innerhalb des Bildungsschlüssels die Qualität der Bildung in den Kitas gehalten oder gar ausgebaut wird. Dabei verweisen die Eltern auf die fehlenden elementarpädagogische Ausbildung dieser Berufsgruppen. „Die Menschen mit dieser Ausbildung haben ganz sicher Wissen und Erfahrung in ihren Berufen, und viele können sicher auch gut mit Kindern spielen, aber zu einem Beruf als Erzieher und Erzieherin gehört mehr.“ will Monty Schädel das tägliche Engagement der tausenden Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas in M-V gewürdigt wissen. Er verweist darauf, dass die vierjährige Ausbildung von zum staatlich anerkannten Erzieher/Erzieherin allein bereits vier Jahre umfasst, in den vergangenen Jahren alle Fachkräfte in den Kitas an den umfangreichen Qualifikationsmaßnahmen zur Bildungskonzeption M-V teilnahmen und viele hundert die Anerkennung als Erzieher bzw. Erzieherin in Nichtschülerausbildungen absolvierten. Das seien spezielle Qualifikationen für den frühkindlichen Bereich.

Zur Verdeutlichung wird Schädel nicht müde zu fragen: „Würdest Du Deine Herzoperation von einem Augen- oder Tierarzt machen lassen, weil sie doch auch eine ärztliche Ausbildung haben? Sicher nicht! – Aber Dein Kind lässt Du dann im Kindergarten von einer Hebamme fördern und bilden, weil sie Kinder auf die Welt bringt oder von einen Physiotherapeuten, weil der Oma eingerenkt hat und was mit Menschen zu tun hat?“

Der KitaErMSE würde es begrüßen, wenn das im Gesetzentwurf mit diesen Maßnahmen formuliert Ziel zur „Bildung multiprofessioneller Teams“ so umgesetzt würde, dass diese Fachgruppe zusätzlich zu den bisherigen Fachkräften und ohne Anrechnung auf den Betreuungsschlüssel in den Kitas zum Einsatz kommen können und die Mittel dafür zur Verfügung stehen würden. – Aber nicht mit dieser vorgeschlagenen „Schummeltaktik“.

Der KitaErMSE: „Die geplanten Änderungen des KiföG sind gleichbedeutend mit einem Bildungsabbau in den Kitas auf Kosten unserer Kinder! Sie sind deshalb abzulehnen!“

Der KitErMSE ruft auf, diesen Bildungsabbau in den Kitas in M-V zu verhindern und seinen Aufruf an den Landtag zu unterstützen. Dabei betont er: „Es eilt!“

Unterstützt werden kann der Aufruf hier

Presseinfo 2/2017 KiföG als PDF

Weitere Informationen zum Kita-Elternrat Mecklenburgische Seenplatte unter
Facebook: https://www.facebook.com/kitaermse

Weitere Informationen zur Änderung des KiföG 2017

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