Milchmädchenrechnung M-V: Nimm Auszubildende in die Kita, rechne sie in den Fachkraft-Kind-Schlüssel ein und schon stimmt die Bilanz! Qualität in der Kita? Irrelevant!

Den Aufruf an den Landtag unterstützen (auf das Bild klicken)

Mit dem Beschluss des Sozialausschusses des Landtages zur Änderung des KiföG sind die Koalitionäre der SPD und CDU nach Ansicht des Kita-Elternrat Mecklenburgische Seeplatte (KitaErMSE) einer „Milchmädchenrechnung“ aufgesessen. „Bei der Behebung des Fachkräftemangels in den Kitas geht es nicht darum, dass man Auszubildende in die Kitas bringt und diese in den Fachkraft-Kind-Schlüssel einrechnet oder Berufsgruppen ohne frühkindliche Ausbildung als Fachkräfte umdefiniert, sondern dass elementarpädagogische ausgebildete Fachkräfte zusätzlich in die Kitas kommen. Im Ergebnis der geplanten Gesetzesänderung werden lediglich mehr Erwachsene in Kitas wirken aber nicht mehr Fachkräfte mit einschlägigen elementarpädagogischer Ausbildung. Der Bildungsschlüssel wird allein rechnerisch ‚verbessert‘. Bildungsansprüche können aber nur mit dafür qualifizierten Personal umgesetzt werden. Kitas ohne ausreichende Finanzierung, können die Bildungsansprüche des KiföG nicht umsetzen.“

Aufruf gegen Bildungsabbau in den Kitas in M-V kann online unterstützt werden. www.openpetition.de/!kitabildungmv

Monty Schädel, Vorsitzende des KitaErMSE, zeigt sich erstaunt darüber „wie der Landtag und das Sozialministerium die Qualität der Bildung und Förderung in den Kitas unter dem selbstverschuldeten Druck preisgibt, um die Anwesenheit zusätzlicher Erwachsener in den Kitas zu erreichen. Hat die zukünftige Ministerpräsidentin noch bei der letzten Kita-Novelle der Bildung in den Kitas das Wort geredet und in der Koalition dafür gestritten, geben die Nachfolger in den Fraktionen und im Sozialministerium diese Position auf. Der Schlüssel und nicht die Qualität in der Kita sind für die SPD und CDU in M-V offenbar entscheidend.“

In den aktuell bekannten Vorlagen bleibt weiterhin die Kostenübernahme noch Organisation des neuen Ausbildungsgangs zum/zur staatlich anerkannten Erzieher_in (0-6 Jahre) unklar. „Wer soll denn die Ausbildung in den Kitas vornehmen, wenn denn bereits jetzt die Fachkräftedecke für die gesetzlichen Aufgaben in der Kita löchrig ist?“ fragt Schädel. Wird es wieder so sein, dass die Eltern die „Wohltaten“ bezahlen sollen, wenn zu den Ausbildungskosten im Gesetzentwurf steht, dass sich „… für die Landkreise, die kreisfreien Städte und die Wohnsitzgemeinden sowie für die Kommunen als Träger von Kindertageseinrichtungen (…) keine zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen“ ergeben? – Und für die Eltern?

Der KitaErMSE betont, dass er die „praxisintegrierte Ausbildung“ begrüßt. Es sei jedoch nicht hinnehmbar, dass dafür das bisherige Personal und kein zusätzliches zuständig sein soll und vor allem, dass Auszubildende in den Bildungsschlüssel mit eingerechnet werden sollen. Monty Schädel: „Auszubildende haben ausgebildet zu werden und nicht als Fachkräfte im Personalschlüssel zu erscheinen – auch nicht anteilig.“ Das sei gegenüber den Kindern und Eltern die ein Anrecht auf qualifizierte Bildung und Förderung in der Kita haben ebenso ungerecht, wie es gegenüber den Auszubildenden unredlich ist. „Wenn es den Fraktionen von SPD und CDU wirklich um die Beseitigung des Fachkräftemangels gehen würde, dann würden sie auf die Anrechnung auf den Bildungsschlüssel und die damit verbundene Kostenabwälzung auf die Träger und Eltern verzichten!“ so Schädel

Dabei ist der sich entwickelnde Fachkräfte bedarf bereits seit Beginn der Diskussion um den Rechtsanspruch auf eine Kitaplatz seit Jahre bekannt und der Fachkräftemangel selbst verschuldet. Abgesehen von den katastrophalen Einkommensverhältnissen bei den Beschäftigten in den Kitas – der Geschäftsführer eines großen Trägers sprach von 700 bis 800 Euro weniger als die Mitarbeiter_innen in den westlichen Bundesländern – wurden Ausbildungsgänge für Erzieher_innen in Mecklenburg Vorpommern seit Jahren abgebaut sowie geschlossen. Noch im Februar 2017 konnte nach Auskunft auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (DS 7/147) der zukünftigen Fachkräftebedarf durch die Landesregierung „zurzeit nicht genau qualifiziert werden“.

Der KitaErMSE ruft die Mitglieder des Landtages auf gegen die Änderungen des KiföG zu stimmen. Online kann der Aufruf unterstützt werden: www.openpetition.de/!kitabildungmv

 

 

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